Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Sinisa Bacarec, einem Mann, der den Volleyball in Niedersachsen über Jahrzehnte geprägt, entwickelt und mit seiner unverwechselbaren Persönlichkeit bereichert hat.
Sein Lebensweg war eng mit dem Volleyball verbunden, schon lange bevor Niedersachsen zu seiner zweiten Heimat wurde.
Sinisa Bacarec wurde am 3. März 1940 in Osijek im damaligen Jugoslawien geboren. Bereits als junger Mann führte ihn sein außergewöhnliches sportliches Talent auf die große Volleyballbühne. 1958 wurde er in die Junioren-Nationalmannschaft berufen, ab 1960 spielte er für Roter Stern Belgrad in der ersten Liga. 1962 folgte die Einladung in die Nationalmannschaft. Als langjähriger Kapitän seiner Mannschaft gehörte er zu den prägenden Spielern seiner Generation, ehe er 1975 seine aktive Laufbahn in Jugoslawien beendete.
Doch mit diesem Abschied begann ein neues Kapitel.
Im November 1975 unterschrieb Sinisa Bacarec seinen ersten Vertrag als Landestrainer beim damaligen Niedersächsischen Volleyball-Verband. Was zunächst als beruflicher Neuanfang gedacht war, sollte zu einer jahrzehntelangen Verbindung werden.
Die ersten Jahre waren keineswegs einfach. Zwei unterschiedliche Volleyballwelten trafen aufeinander: hier der erfahrene Spieler und Trainer aus einem Land mit großer Volleyballtradition, dort ein niedersächsischer Volleyball, dessen Leistungssportstrukturen sich noch im Aufbau befanden. Es brauchte Geduld, Beharrlichkeit und auf beiden Seiten die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Sinisa brachte all das mit.
Ab Ende der 1970er-Jahre nahm seine Arbeit immer deutlichere Konturen an. Trainingsprogramme und Trainingsmethoden wurden entwickelt, individuelle Trainingspläne für besonders förderungswürdige Spielerinnen und Spieler entstanden, Lehrgänge wurden durchgeführt und die Zusammenarbeit zwischen Landestrainer, Stützpunkten, Vereinen und Verband weiterentwickelt.
Aus einem Neuanfang wurde Aufbauarbeit. Aus Aufbauarbeit wurde ein Lebenswerk.
Von 1978 bis 2002 betreute Sinisa Bacarec bei mehr als 50 Bundespokalen niedersächsische Spielerinnen und Spieler verschiedener Altersklassen. Generationen junger Volleyballerinnen und Volleyballer wurden von ihm ausgebildet, begleitet und geprägt. Seine Arbeit trug entscheidend dazu bei, den niedersächsischen Nachwuchs im deutschen Volleyball konkurrenzfähig zu machen.
Auch über seine Tätigkeit als Landestrainer hinaus hinterließ er sportliche Spuren. Die Erfolge des MTV Celle in der 1. und 2. Bundesliga in den 1980er-Jahren sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Ebenso die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte der „Alten Herren“ des TuS Lachendorf, die mit seiner Unterstützung neunmal Deutscher Seniorenmeister wurden.
Doch Zahlen, Titel und Platzierungen erzählen nur einen Teil seiner Geschichte.
Wer Sinisa kannte, erinnert sich an einen Menschen mit beeindruckender Präsenz. An seine Körpergröße und seine markante Stimme. An seine enorme Kenntnis der Volleyballgeschichte und seinen nahezu unerschöpflichen Fundus an Geschichten und Vergleichen. Vor allem aber an einen Trainer, der Volleyball nicht nur vermitteln, sondern erklären, einordnen und vorleben konnte.
Und man erinnert sich an seinen ganz eigenen Humor.
Sinisa konnte feinsinnig ironisch und im nächsten Moment schonungslos direkt sein. Sein Sarkasmus war legendär und traf nicht immer auf ungeteilte Begeisterung. Er war kein Mensch, der sich verbog, um es allen recht zu machen. Er hatte Überzeugungen, vertrat sie und blieb sich dabei treu.
Gerade darin lag ein Teil dessen, was ihn so unverwechselbar machte.
Sein Weg in Niedersachsen war nicht immer geradlinig. Es gab Auseinandersetzungen, unterschiedliche Vorstellungen und schwierige Phasen. Aber Sinisa blieb. Er entwickelte sich gemeinsam mit dem Volleyball in Niedersachsen und der Volleyball in Niedersachsen entwickelte sich auch durch ihn.
Als er 2001 seine aktive Volleyball-Laufbahn beendete und später seine Tätigkeit als Landestrainer abschloss, hinterließ er weit mehr als Ergebnisse in Statistiken oder Namen auf Siegerlisten. Er hinterließ Spielerinnen und Spieler, Trainerinnen und Trainer sowie Funktionärinnen und Funktionäre, deren Weg er begleitet und beeinflusst hatte.
Was bleibt, ist deshalb vor allem die Erinnerung an einen Menschen, der einen erheblichen Teil seines Lebens dem Volleyball gewidmet hat.
Ein Satz aus der damaligen Laudatio zu seinem Abschied beschreibt Sinisa vielleicht besser als jede Aufzählung seiner Erfolge:
„Du bist stets so geblieben, wie Du wohl bereits in Deinem ‚ersten Leben‘ in Jugoslawien gewesen bist, nämlich unverwechselbar, nicht austauschbar, eben einmalig!“
Mehr als zwei Jahrzehnte nach diesen Worten haben sie nichts von ihrer Bedeutung verloren.
Sinisa Bacarec kam 1975 nach Niedersachsen, um als Landestrainer zu arbeiten. Er blieb und wurde zu einem Teil der Geschichte unseres Volleyballs.
Wir verlieren mit ihm einen außergewöhnlichen Trainer, einen Volleyballfachmann, einen Wegbereiter und eine Persönlichkeit, die Generationen geprägt hat.
Der Nordwestdeutsche Volleyball-Verband wird Sinisa Bacarec ein ehrendes Andenken bewahren.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen, Freunden und allen Menschen, die ihm verbunden waren.
Ruhe in Frieden, Sinisa.







